Molekularfamilie

Über die Normen hinaus glückend.

Etherpad: Gemeinsam Schreiben

Heute mal etwas Lebenspraktisches. Wir waren letzte Woche damit beschäftigt, eine Erklärung für das Schulamt zu schreiben, warum Magda im kommenden Jahr nicht auf ihre Stadtteilschule gehen soll. Berlin ist mit tollen Schulen nämlich eher mau ausgestattet, und die vorgesehene Schule war uns schon unsympathisch, seit die Schulleiter_innen darauf hinwiesen, dass sie keine kritischen Eltern gebrauchen könnten. Der Versuch, das Kind an einer anderen Schule anzumelden, ist natürlich mit massig Papierkram verbunden. Mich persönlich überrascht eigentlich nur noch, dass Magda kein Motivationsschreiben einreichen musste und dass es kein Assessment-Center gab.

Zurück zum Thema: Wir mussten also dieses Schreiben verfassen, und während wir schon planten, uns gegenseitig Entwürfe hin- und herzumailen, fiel uns glücklicherweise ein, dass das Ganze auch einfacher geht. Mit einem Etherpad. Stichwort: kollaboratives Schreiben. Wir haben es ausprobiert und sind überzeugt, dass dieses Tool allen Molekularfamilien (und natürlich auch diversen anderen Menschen) in manchen Situationen verdammt viel Arbeit ersparen kann.

Was ist überhaupt Etherpad?

Kurz: Etherpad ähnelt einer sehr stark abgespeckten Version von beispielsweise Microsoft Word – so weit so unspannend. Der interessante Teil daran ist, dass es ein Texteditor zum gemeinsamen Schreiben und Bearbeiten von Texten ist. Zeitgleich sichtbar. Für alle auf einmal.

Etherpad wurde 2008 entwickelt, 2009 von Google gekauft und unter einer Open Source Lizenz veröffentlicht. Heute wird Etherpad von der Etherpad Foundation (http://etherpad.org) betreut und weiter entwickelt. Es gibt verschiedene Anbieter von Etherpads im Netz, bei denen man ganz einfach und ohne Registrierung anfangen kann Texte zu schreiben. Ein paar bekanntere Etherpad Anbieter sind http://piratepad.net/, etherpad.mozilla.org oder willyou.typewith.me bei dem auch dieser Text entstand. Wer will, kann natürlich auch seinen eigenen Server aufsetzen, um wahrhaft unabhängig zu sein.

Etherpad Screenshot

So ungefähr sieht der Spaß aus.

Was kann Etherpad?

Etherpad ist hauptsächlich wirklich nur ein Texteditor, es gibt ein paar Optionen zum Formatieren von Text (fett, kursiv, unter- und durchgestrichen), einfache Bullet-Point-Listen und Tabulatoren. Das wars auch schon fast. Wirklich spannend wird es dadurch, dass mehrere Menschen gleichzeitig an einem Text arbeiten können. Jede(r) kann sofort sehen, was die anderen Autor_innen schreiben. Es gibt die Möglichkeit, dass jede(r) Teilnehmer_in seinen/ihren Textbeitrag mit einer eigenen Farbe unterlegt. Wird der Text gespeichert, bleiben auch diese Farben erhalten, so dass sich im Nachhinein immer nachvollziehen lässt, wer was geschrieben hat. Das Dokument wird fortlaufend automatisch gespeichert und es lässt sich in einer Zeitleiste zeichengenau verfolgen, wer wann was geschrieben hat. Besonders praktisch ist der Chat, in dem man sich beim Schreiben über das Geschehen austauschen kann. Dafür bietet das Etherpad auch Zeilenangaben, damit schnell klar ist, auf welchen Abschnitt man sich bezieht. Pads bekommen eine eigene URL und so können andere Menschen leicht dazu eingeladen werden: Wer die URL hat, kann mitschreiben. Auch kann man ein Pad in seine eigene Homepage einbinden. Achtung, in der Basiseinstellung sind die Pads grundsätzlich für alle, die die URL kennen, öffentlich. Pads können dadurch auch versehentlich entdeckt werden, wenn ihr nicht wollt, dass jemand mitbekommt was ihr da macht, solltet ihr einen Anbieter wählen, der es erlaubt Pads als privat und geschützt einzurichten. Dafür müsst ihr jedoch meist eine Mailadresse bereitstellen, was für die Basic-Version nicht nötig ist.

Und das funktioniert?

Wir sind von den Möglichkeiten des kooperativen Schreibens begeistert. Nach anfänglicher Skepsis („Kommen wir uns da nicht ständig ins Gehege?“, „Das macht mich bestimmt wahnsinnig, wenn da ständig jemand in meinem Text rumtippt!“) stellten wir mit Erleichterung fest, dass es erstaunlich unproblematisch ist, gemeinsam an einem Text zu arbeiten. Wir konnten tatsächlich unkompliziert und stressfrei einen längeren Brief zu einem komplizierten Sachverhalt schreiben. Der Chat erleichtert die Kommunikation ungemein, auch wenn wir bei ein zwei schwierigeren Stellen nebenbei eine Skype Konferenz zusätzlich nutzten. Die jedoch driftete dann vom Thema ab, weshalb wir wieder zum Chat wechselten, um den verdammten Text endlich zu vollenden.

Ob der gemeinsam verfasste Brief (er liest sich übrigens, als sei er von einer Person geschrieben) die Empfänger_innen nun überzeugt, wird sich leider erst im kommenden Mai herausstellen. So lange dauert es nämlich, bis wir wissen, auf welche Schule Magda gehen darf. Bis dahin werden wir noch weitere praktische Tools sammeln und euch vorstellen, die das Leben einer Molekularfamilie vereinfachen können.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Oktober 2012 von in Ausprobiertes, Herausforderungen und getaggt mit , , , .

Wichtiges

Die letzten Monate

Autor_innen