Molekularfamilie

Über die Normen hinaus glückend.

Was ist eine Molekularfamilie?

(Spoiler alert, im Sinne von: Wissenschaftsanalogie. Erwartet keinen wissenschaftlichen Artikel.  Mein Wissen beschränkt sich auf Chemieunterricht in der Oberstufe, ein wenig Wikipedia zwecks Erinnerungserfrischung und… Erfahrung.)

Die Idee kam uns beim Trinken. Ja, auch (Plus)Eltern hängen an kinderfreien Wochenenden gerne mal in einer Kneipe rum, trinken ein Unertl und versuchen, sich nicht vom Live Free Jazz stören zu lassen (für mich klingen die sich wiederholenden Sirenen von Konrads Polizeiauto im Hintergrund fast schon lieblicher…).

Genauer gesagt kam Paul die Idee, während wir mit möglichen Namen und Konzepten für diesen Blog jonglierten. Molekularfamilie. Plötzlich stand das Wort auf dem wild bekritzelten Blatt Papier, und die Aufgabe des Abends war erledigt. Als der Begriff auch der nüchternen Betrachtung am folgenden Tage stand hielt, war der Beschluss gefasst. Blog und Familienform hatten einen Namen.

Moleküle [moleˈkyːl] (älter auch: Molekel [moˈleːkəl]; von lat.molecula, „kleine Masse“) sind im weiten Sinn zwei- oder mehratomige Teilchen, die durch chemische Bindungen zusammengehalten werden[…] Die Atome bilden einen in sich abgeschlossenen, stöchiometrischen Verband und sind kovalent miteinander verknüpft. Ein so definiertes Molekül ist das kleinste Teilchen eines bestimmten Reinstoffes und hat eine bestimmbare Molekülmasse. Ein Molekül ist normalerweise kein starres Gebilde, bei Energiezufuhr treten unterschiedliche Molekülschwingungen auf. […] Moleküle können aus Atomen eines einzigen chemischen Elements aufgebaut sein, wie Sauerstoff (O2) und Stickstoff (N2) (Elementmoleküle). Die meisten Moleküle sind jedoch Verbände von Atomen verschiedener Elemente, wie Wasser (H2O) und Methan (CH4). […] Große Moleküle werden Makromoleküle genannt.

sagt Wikipedia.

Unsere Familie besteht aus einzelnen Personen, die miteinander verschiedene Beziehungen enwickeln, und alle zusammen eine Einheit ausmachen. So sind Magda und Konrad beispielsweise ein Geschwistermolekül, ich bin ein Plusmamaatom, Paul und Anne sind ein Bioelternmolekül. Oder aber Paul und ich sind ein Partner_innenmolekül. Magda ist ein Barbiefanatom. Anne und Konrad ein Essenmäkelmolekül. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Zusammen sind wir jedenfalls eine Familie, in der die Erwachsenen für die noch Wachsenden und auch untereinander eine bestimmte Fürsorgeverantwortung übernehmen und alle Mitglieder einander zur Familie zählen. Dieses Molekül gehört, im Großen betrachtet, zu verschiedenen Makromolekülen. Wir reagieren miteinander, wenn wir Großeltern, Geschwister oder auch sehr gute Freunde miteinbeziehen. Wir können, als Molekularfamilie und als einzelne Moleküle oder Atome, neue Verbindungen eingehen. Unser Molekül hat die Möglichkeit zu wachsen. Und es besteht auch die Gefahr, dass es wieder schrumpft. Manchmal sorgen Energien von außen dafür, dass wir noch enger zusammen halten, manchmal sorgen sie für Auseinandersetzungen.

Wie auch Moleküle ihre Eingenschaften ändern, wenn neue Stoffe dazu kommen, schafft unsere Familie etwas Neues. Deswegen sind wir keine Patchworkfamilie, wie die Deutschen es so gerne nennen. Wir sind keine Flicken, die starr aneinander genäht werden und dann nicht mehr vom Fleck kommen. Wir müssen nicht mit einer Nadel gepiekst werden, um Beziehungen zueinander aufzubauen. Wir sind auch keine Blended Family, wie es im englischsprachigen Kontext oft heißt. Bei uns wird niemand durch den Mixer (=“blender“) gejagt, um in die Familie zu passen. Hier darf jede und jeder so sein, wie sie/er will.

Und der Begriff Molekularfamilie hat noch mehr Vorteile. Er bietet nicht nur uns die Möglichkeit, uns als Familie zu verstehen, sondern auch noch ganz vielen anderen Menschen, die in anderen Konstellationen zusammen gehören, und dafür noch kein Wort gefunden haben, das nicht irgendwie nach Ersatz, Kompromiss oder der bösen Abweichung von der Norm klingt. Ein Molekül kann aus zwei Atomen des gleichen Stoffes aufgebaut sein, oder verschiedene Elemente beinhalten. Egal. Solange Bindungen bestehen, besteht auch das Molekül.
Die Chemienerds unter euch dürfen mich jetzt gerne belehren, warum diese Analogie nicht funktioniert – oder ihr erweitert die Idee, wenn sie euch gefällt 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Oktober 2012 von in Wir stellen uns vor und getaggt mit , , .

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