Molekularfamilie

Über die Normen hinaus glückend.

Holz! Holz… Holz?!

Wie schon erwähnt, hatte das jüngste Mitglied unserer Familie also vor Kurzem Geburtstag, und nachdem die kleine Feier so gut geglückt war, hingen wir noch eine größere Feier hinten dran. Mit erwachsenen und noch wachsenden Freunden sowie ein paar weiter entfernten Familienmitgliedern.

Das Wetter war auf unserer Seite, Anne hatte auf dem Tempelhofer Feld tatsächlich ein Plätzchen mit Schatten und naheliegender Grillwiese gefunden und ein Fußballturnier organisiert, bei dem sich alle Beteiligten ordentlich austobten. Mit Trillerpfeife, roter und gelber Karte und diversen Bällen.

Am Abend fiel die Bilanz wie folgt aus: Ein wunderschöner Tag (alle), ein Sonnenbrand (Paul), eine Longboardrunde (Anne), ein getrunkenes Kinderbier (Magda), viele potenziell gute Fotos (Laura), ein Berg aus Geschenken (Konrad).

Und auf Letzteres möchte ich nun ein wenig genauer eingehen. Denn ich ärgere mich zwar regelmäßig über die genderstereotype Klamottenauswahl für Kinder und diverse Probleme bei Kinderbüchern. An diesem Tag aber wurde mir auch wieder bewusst, dass nicht nur Kleidung und Bücher ein Weg sind, um Kinder schon früh in die Welt der Heteronormativität zu führen. Denn auch das das Unschuldigste, Freieste, Fantasievollste – kurz: das Spielen (und das Spielzeug) der Kinder ist allzu häufig eindeutig „männlich“ oder „weiblich“ konnotiert.

Ein kleiner Überblick über einige der Geschenke: Ein Hubschrauber, eine Fußballer-Ausstattung, eine Spiderman-Figur, ein riesiger Kran von Playmobil, ein Monstermaskenbuch, ein Buch von und mit Yakari und ein paar weitere Sachen, die Anne praktischerweise gleich irgendwo verschwinden ließ. Nun versteht mich nicht falsch, liebe Leser_innen, ich freue mich für Konrad, weil das Geschenke sind, die ihn fröhlich machen und mit denen er gerne spielt. Den Schenkenden will ich auch in keinster Weise böse Absichten unterstellen – vermutlich hätte Konrad sich über „Mädchenspielzeuge“ zwar genauso gefreut, aber ein Großteil der Anwesenden hätte sich doch möglicherweise gewundert. Trotzdem: die Kinder sind noch so klein und doch schon voll drin im Geschlechterrollendenken. Da fällt mir wieder ein, wie ich Magda vor einer Weile ein Piraten-Mensch-Ärgere-Dich-Nicht schenkte, und sie nach dem Auspacken sicher war, dass dieses Geschenk eigentlich für Konrad sei. Piraten sind schließlich Jungssache. Die Mädchen spielen Prinzessinnen.

So sehr wir auch versuchen, den Kindern zu vermitteln, dass diese Frauen- und Männerbilder nicht fest sein müssen, aus irgend einer Ecke kommen doch immer wieder Stereotypen. Übrigens ist unser eigenes Handeln ist dabei nicht ausgeschlossen, ich ertappe mich zum Beispiel selbst dabei, dass ich handwerkliche Arbeiten gerne Paul überlasse, obwohl ich genauso gut ein verdammtes Loch in die Wand bohren kann. Wir sind also auch keine Paradebeispiele im gelebten Feminismus, auch wenn wir ein wenig theoretischen Hintergrund haben. Nun mach den Kindern aber mal klar, was Konstruktivismus bedeutet… Da scheitere ich ja schon bei einem Großteil der Erwachsenen.

Zurück zum Spielzeug. Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind keine Barbies haben sollte. Irgendwann schlichen sich dann aber doch ein paar dieser großbrüstigen Dauermakeuptragenden in mein Kinderzimmer, und ich liebte sie. Ähnlich verhält es sich bei unseren Kindern: Magda liebt ihre Barbies, Konrad liebt seine Polizei. Wir können nicht alle stereotypen Spielsachen aussortieren. Wir könnten es versuchen, klar. Mein Plan, der sich in Geschenke-Horror-Momenten immer wieder zu Wort meldet: Alles in eine Tüte, ab in den Müll, und nur noch Holzklötze ins Kinderzimmer. Fertig. Holz hat keine geschlechtsspezifische Farbe, solange es unbehandelt ist. Holz riecht gut, man kann gefahrlos drauf rumkauen. Mit Holzklötzen lässt sich so ziemlich alles bauen, was man sich vorstellen kann und letztendlich unterstützt man auch keinen großen bösen Spielehersteller damit. Klasse Idee, wa? Denkste. Wie lange kann mensch sich für Holzklötze begeistern? Wohl kaum die ganze Kindheit lang.

Eine Lösung habe ich nicht. Gewisse Spielzeuge können wir als Eltern sicher verschwinden lassen, wir können eine Reflektion der Geschlechterbilder anstoßen und versuchen, gute Vorbilder zu sein. Und zu guter letzt können wir uns und unsere Kinder informieren und bilden. Beispielsweise mit gut recherchierten Videobeiträgen wie denen von Anita Sarkeesian, die Feminist Frequency betreibt und regelmäßig Genderstereotype in der Popkultur auseinander nimmt. Für unsere Kleinen sicher noch zu abstrakt (und zu englisch), aber für Größere definitiv brauchbar, was laut Leser_innenkommentaren auch dazu führt, dass diese Videos in manchen Unterrichtsstunden an Schulen gezeigt werden. Deswegen, und weil’s so gut zum Thema passt, hier zwei Beiträge zu Gender bei Lego. Viel Spaß!

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3 Kommentare zu “Holz! Holz… Holz?!

  1. Katharina
    12. August 2012

    Ja, das Gendern… auch als alte Frauenrechtlerin ertappe ich mich selber dabei. Bei einem Mädchen hätte ich wohl weniger Mühe, wäre sogar stolz, wenn sie sich auf „Bubenzeugs“ stürzen würde. Aber wenn sich mein Junge in der Stadt voller Freude auf das pinke Glitzerzeug wirft, weil es ihm so gut gefällt, falle ich selber halb in Ohnmacht. Das geht gar nicht. Natürlich gebe ich mich dann gerne der Illusion hin, ich würde nicht gendern sondern nur meinen Prinzipien folgen, dass mir so’n Mist nicht ins Haus kommt. Aber ganz ehrlich: Das wäre gelogen!

    • Laura
      17. August 2012

      Wie sagt Sarkeesian das so schön in dem zweiten Video?
      „[…] in unserer aktuellen patriarchalen Gesellschaft werden Merkmale, die mit Männern und Männlichkeit assoziiert werden höher geschätzt, selbst wenn sie der Gesellschaft nicht grade am Meisten nützen.“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. August 2012 von in Herausforderungen und getaggt mit , , .

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